II. Studie: Psychologie des Toilettenpapier-Hamsterns

Der Ansturm in den Supermärkten auf Toilettenpapier, Nudeln und Hefe im März 2020 war überraschend. Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie hat festgestellt, dass sich Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen besonders stark mit Toilettenpapier bevorratet haben. Sie fühlten sich durch COVID-19 stärker bedroht.

„Panikkäufe“ bei Toilettenpapier war Anfang des Jahres nicht vorstellbar. Eine Umfrage des Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie führte in 35 Ländern einen Persönlichkeitstest durch. Diesen Daten zufolge war der zuverlässigste Indikator für eine Toilettenpapierbevorratung, wie stark sich jemand durch die Pandemie bedroht fühlte. Etwa 20 Prozent dieses Effekts waren auf das Persönlichkeitsmerkmal Emotionalität zurückzuführen:

Menschen, die im Allgemeinen besonders besorgt und ängstlich sind, fühlen sich auch durch COVID-19 bedrohter und bevorraten sich eher mit Toilettenpapier. Auch die Persönlichkeitsdomäne der Gewissenhaftigkeit, zu der Merkmale wie Organisation, Fleiß, Perfektionismus und Vorsicht gehören, hatte Einfluss auf das Bevorratungsverhalten.
Andere Beobachtungen waren, dass ältere Menschen mehr Toilettenpapier horten als jüngere Menschen und dass Amerikaner mehr Toilettenpapier horten als Europäer. Die Forschenden weisen darauf hin, dass die untersuchten Variablen nur etwa zwölf Prozent der Unterschiede hinsichtlich der Toilettenpapierbevorratung erklären, was darauf hindeutet, dass einige psychologische Erklärungen und situative Faktoren wahrscheinlich nicht berücksichtigt wurden. „Die subjektive Bedrohung durch COVID-19 scheint ein wichtiger Auslöser für die Bevorratung mit Toilettenpapier zu sein. Von einem umfassenden Verständnis dieses Phänomens sind wir jedoch noch weit entfernt“, so Theo Toppe, Mitautor der Studie.

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