III. Forschung: Wie sich beim Musizieren Finger, Noten und Gehirne koordinieren

Ein Instrument zu spielen ist ein kreativer und schöner Prozess. Es stellt aber auch höchste Anforderungen an das menschliche Gehirn. Die komplexen Koordinationsleistungen nehmen Forscher an den Max-Planck-Instituten für empirische Ästhetik in Frankfurt am Main und für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig unter die Lupe.

Beim Klavierspielen planen Pianisten zwei Dinge parallel: Sie müssen koordinieren, was gespielt wird, also welcher Ton oder Akkord folgen soll, und wie dieser gespielt wird, also welche Finger genau den Anschlag ausführen. Nun hat ein Forschungsteam der Max-Planck-Institute herausgefunden, das für das „Was“ und „Wie“ zwei unterschiedliche Hirnnetzwerke aktiviert werden. Sie verorten beide Netzwerke in dem linken, lateralen Präfrontalkortex.

Wenn beim Solo-Spiel derart komplexe Hirnvorgänge aktiviert werden, muss gemeinsames Musikmachen mit anderen für das Gehirn noch anspruchsvoller sein. Denn Musiker müssen Planung und Umsetzung der eigenen Stimme zusätzlich mit den Handlungen der anderen abgleichen und anpassen. „Wenn Menschen ihre Handlungen aufeinander abstimmen, beispielsweise beim gemeinsamen Tanzen oder Singen, synchronisieren sich ihre Hirnwellen“, erklärt Daniela Sammler, Leiterin der Forschungsteams. „Dieses Phänomen wird ‚interbrain synchrony‘ genannt.“

Die Studienergebnisse legen nahe, dass die Synchronisation der Hirnwellen zwischen Musikern nicht nur ein Nebenprodukt ist, das durch gemeinsame Höreindrücke und die Musik selbst ausgelöst wird, sondern tatsächlich ein Mechanismus, durch den sie ihr Spiel miteinander koordinieren.

Zurück

Copyright 2022. osterchrist druck und medien GmbH.